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Normale Version: Sommerfrische
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Diese Woche haben viele Firmen in Tokyo wegen Sommerferien geschlossen. Die Leute fahren dann in andere Praefekturen nach Hause und es ist recht "leer".
Fuenf bis sieben Tage frei sind das hoechste der Gefuehle. Ich erinnere mich (kotzenderweise) an eine Firma, fuer die ich mal arbeitete. Da sahen die Sommerferien so aus. Donnerstag bis Sonntag. Donnerstag und Sonntag waeren eh frei gewesen. Bleiben 2 Tage Ferien. Am Freitag sollten aber alle zur Arbeit kommen. Saubermachen. Das ist keine "normale" Arbeit und zaehlt deshalb als Urlaub. Also ein Ferientag. Es wurden dann natuerlich 4 Tage vom Gehalt abgezogen.
Solche und aehnliche Sitten sind hier gar nicht so ungewoehnlich. Koennt euch vorstellen, wer sich als einziger beschwert hat und nicht zum Saubermachen kam. Wenn ihr euch mal einen Sklaven zulegen wollt, holt euch jemand aus den Philippinen. Die bedanken sich sogar noch dafuer.

Fuer Kinder ist das hier auch toll. 13 Jahre alt. Sommerferien. Von 9 bis 21 Uhr mit Second School und Aktivitaeten der normalen Schule ausgelastet. Samstag und Sonntag auch. Oft ein bisschen frueher am Wochenende. Dafuer auch schon um vier Uhr Schluss. In der Junior High School waehlt man dann noch eine Extraaktivitaet. Basketball oder Musikkapelle oder sonstwas. Ich dachte das ist dann vielleicht zweimal die Woche fuer zwei Stunden. Nein, es ist sechsmal die Woche fuer drei bis fuenf Stunden. Was zum Henker?! Das soll doch Spass machen und die muessen nicht Weltmeister werden.
Ist jedenfalls so gut wie kein Unterschied festzustellen zwischen Ferien und Schulzeit.
Das Resultat ist, dass die Kinder nicht wissen, was sie tun sollen, wenn sie doch mal frei haben. Wie auch? Man hat ja kaum Zeit was eigenes zu entwickeln.
Oft habe ich das Gefuehlt, dass da System dahinter steckt. Vom Kindergartenalter bis zum Berufsleben immer schoen in eine Gruppe eingebunden. Individualitaet ist nicht gefragt. Koennte ja jemand auf "dumme" Gedanken kommen.
Bin ich froh, dass ich einem aufgeklaerten Kontinent aufwuchs und einen grossen Wald vor der Haustuere hatte. Mag sein, dass ich da fuer einige sehr libertaere Ansichten habe, aber was man hier den Kindern und Jugendlichen antut, widert mich an.
Wenn man deine Zeilen so liest lernt man den Luxus bei uns wieder zu schätzen. Arbeitszeit von 7-15 Uhr und das 5 Tage die Woche, 30 Tage Urlaub die man (fast) nehmen kann wenn man will und insgesamt 13 Wochen Schulferien in denen keine Kurse belegt werden müssen.
Da soll sich noch mal einer bei mir beschwerenBig Grin

Bei 4 Tagen Urlaub erklärt sich auch die "Fotowut" der Japaner wenn sie mal im Ausland sind, in der kurzen Zeit müssen die wohl knipsen was geht um hinterher was davon zu haben. (Hattest du auch schon mal geschrieben).

Die Reiseangebote bei euch lauten wohl "Europa in 48 Stunden"

Gruß Harry
(13-08-2009 06:26)Hayaku schrieb: [ -> ]Koennt euch vorstellen, wer sich als einziger beschwert hat und nicht zum Saubermachen kam. Wenn ihr euch mal einen Sklaven zulegen wollt, holt euch jemand aus den Philippinen. Die bedanken sich sogar noch dafuer.

Sad was für Folgen hatte die "Meuterei" für Dich?

Sag mal, habt ihr keine Arbeitnehmer Vertretung, oder sowas wie ne Gewerkschaft, Betriebsrat? Kann ja nicht sein daß die kleinen ständig gefi**t werden nur damit es den Arbeitgebern und Konzernen gut geht Sad
Oder wird sowas auch nur ansatzweise im Keim erstickt (Gewerkschafts Gründung). In Ösiland ist das so: ab einer Mitarbeiterzahl von 10 hat man das Recht einen Betriebsrat zu wählen, der die Interessen der restlichen Arbeiter vertritt, soweit es halt im rechtlichen Rahmen ist.,

Was arbeites Du jetzt eigentlich, nach enRoute (wenn die Frage nicht zu persönlich ist)
Verbraucherschutz, Arbeitnehmerschutz sind hier sehr traurige Kapitel. Die Leute lassen das einfach mit sich machen. Weil das ja ueberall so geamcht wird. Das muss dann wohl in Ordnung sein.
Ein Beispiel. In Tokyo ist es ueblich, dass der Vermieter alle 2 Jahre eine Miete oder 1,5 Mieten extra bekommt. Das zahlt der Mieter als Geschenk, dass der werte Herr seine Unterschrift unter den neuen Mietvertrag setzt. Also Menschen, die mehr haben, als sie fuer sich brauchen bekommen Geschanke von Menschen, die weniger haben als sie brauchen.
Als ich das hoerte, bin ich an die Decke. Wie kann das in Ordnung sein? Bei uns gibt es den Mieterschutzbund und das geht dann recht flott, dass der Mieter zu seinem Recht kommt. Nun, hier zahlen Millionen von Leuten brav dieses Geschenk seit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Billionnen von Yen. Vor ein paar Wochen hatte ein guter Mann die Eier und klagte dagegen. Und er bekam Recht. Das ist illegal. Was passiert? Nichts! man sollte meinen, keiner zahlt jetzt mehr; aber die zahlen weiter, sonst hocken sie vor der Tuer.
Ebenfalls die Frau, die so mutig war, Toyota zu verklagen, weil sich ihr Mann zu Tode gearbeitet hat. Tolle Frau. Mein ganzer Respekt gehoert ihr, sich gegen das Heiligtum Toyota zu erheben.
Die Sache ist nur die: Ich habe das Gefeuhl, dass eine Mehrheit der Japaner nicht hinter ihr steht. Sie stiftet Unruhe und das mag man nicht.
Unruhe stifte ich gerne, wenn ich merke, dass was falsch laeuft. Die Schuld wird dann aber eher dem zugeschoben, der den Mund aufmacht und nicht dem Verursacher der Misere. Ist bisserl doof zu erklaeren, wenn man das nicht erlebt hat. Aber mich treibt das fast taeglich in Rage.
Ist halt irgendwie so: Wenn es alle machen und wenn es schon immer so war, dann hinterfragt man das nicht. Diskutiert wird nicht. Ich habe es noch nie geschaft hier mit jemandem sachlich zu diskutieren. Meist zieht die Gegenseite beleidigt ab nach 2 Minuten (Walfang, 2.Weltkrieg, etc.).
Da kann man nicht mit unsere Kultur, die sehr von der Aufklaerung gepraegt ist rangehen. Das geht nicht zusammen.
Es waere ja nichts dagegen einzuwenden, wenn man nicht sehen wuerde, wie dann doch sehr viele Menschen an dem Gruppendruck zerbrechen und sich vor den Zug schmeissen.
Ich weiss nicht genau, wann diese Schieflage entstand. Ich vermute erst nach dem Krieg.

Ach ja: Fuer mich hatte das keine Konsequenzen. Ich war da in einer zu starken Position. Allerdings hat es mich in meinem Plan bestaetigt, was anderes zu machen.

PS: Bitte beachten, dass das natuerlich meine ganz persoenliche Sicht und Uerlegung zu der Lage ist. Leute mit anderem Charakter werden das ganz anders sehen. Wink
echt heftig.... und manche jammern schon wenns mal eine Überstunde machen müssen in 6 Monaten (in unseren Gefielden).... dafür haben wir halt Soziale Dienste, Arbeitrecht usw...., von dem manche (offensichtilch ausgebeutete) Japanische Arbeitnehmer nur träumen Sad

Eine Arbeitskollegin fliegt rüber zu euch in 3 Wochen, sie hat mir das auch schon mal erzählt von den Arbeitsbedingungen. Wie ein Bienenstaat - das wohl des Volkes steht über dem Wohl des einzelnen Sad

Wie schauts mit Gehalt aus, Sozialversicherung (dürfte demnach nicht sooooo krass ausfallen wie bei uns), Lohnsteuer, Schutzgeld an örtlichen Yakuza - Verein Tongue ....
was bleibt einem übrig im Monat? Kann man damit Leben oder gerade noch Überleben?
Das ist ja krank ..da kommen mir meine 6 Wochen Sommerferien wieder viiiel länger vor ..
so mit der unterdrückung des individualismus wird das aber hier zu lande auch immer schlimmer!!! ich arbeite al fachberater in nem baumarkt und da abreiten alle nach konzept, egal ob man verbesserungsvorschläge macht oder einem was auffällt was falsch läuft wird man ganzschnell abgeschossen... immer schön mit dem strom schwimmen, jeder kümmert sich stur um seinen aufgabenbereich und wenn man vorgesetzte auf fehler hinweißt... dann steht man ganz schnell alleine dar!!!

diese mentalität macht sich hier immer weiter breit, egal ob auf der arbeit oder im normalen alltag! sind mit sicherheit einige faktoren, die da zusammenspielen! aber ich denke in erster linie hat es was damit zu tun mit welchen werten man aufwächst und was man vorgelebt bekommt...

wenn man das alles so sieht sind Drifter ja sowieso alle querolanten und individualisten in jeder hinsicht!!!
laute auffällige autos... nicht "normale" fahrweise und so weiter! kein wunder, dass diese sportart in japan entstanden ist...
Was die Mentalitaet angeht sind Deutsche und Japaner recht aehnlich. Sowohl in postitiven als auch in negativen Dingen. Zu letzeren gehoert vorauseilender Gehorsam, Unterwuerfigkeit vor Vorgestzten und der Glaube an Uniformen. Sicher kein Zufall, dass der Faschismus seine widerlichsten Auswuechse in Deutschland und Japan hatte.
Wo ich nicht so recht mit dir uebereinstimme ist die Definition von Individualismus. Nur weil einer ein auffaelliges Auto faehrt, ist er nicht individuell. Fuer mich ist das eine reine Kopfsache. Babbelt der nur nach, was ihm eingetrichtert wurde und was von ihm erwartet wird oder hat einer seinen eigenen Kopf, seine eigene Meinung und vertritt diese auch.
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